Manchmal muss man den Schreibtisch verlassen, das Smartphone gegen den Akkuschrauber tauschen und sich den Staub von den Händen klopfen, um zu spüren, warum wir unseren Job so unglaublich lieben. Genau das ist uns vor Kurzem passiert. Wenn man im IT-Vertrieb und im Managed Service arbeitet, bewegt man sich meistens in einer weltweiten Landschaft aus Konzepten, SLAs und virtuellen Architekturen. Doch dann kommt dieses eine Projekt um die Ecke, das alles auf den Kopf stellt. Plötzlich steht man mitten in einem fabrikneuen 10-Fuß-Kühlcontainer, der ursprünglich dafür gebaut wurde, Tonnen von Obst frisch über die Weltmeere zu transportieren. Unser Kunde, ein renommiertes deutsches Forschungsunternehmen, das seine Einsätze und Messungen hauptsächlich auf hoher See ausführt, stand vor einer gewaltigen Herausforderung. Wer die maritime Forschung kennt, weiß, wie rau die Bedingungen auf dem Ozean sind. Bisher bedeutete jede neue Expedition einen enormen logistischen Kraftakt, weil die IT-Infrastrukturen für jedes Projekt mühsam an Bord aufgebaut, verkabelt und nach der Fahrt wieder demontiert werden mussten. Das Resultat waren enormer Zeitverlust, ständige Gefahr von Transportschäden, verloren gegangene Kabel und eine IT, die anfällig für die unbarmherzigen Bedingungen auf See war. Die Vision war so simpel wie genial. Gefragt war ein mobiles, autarkes Rechenzentrum nach dem „Drag & Drop“-Prinzip, das einfach per Kran auf das Deck des Schiffes gehievt, angeschlossen und sofort hochgefahren werden kann. Eine feste, saubere Verkabelung, die bleibt, bedeutete absolute Verlässlichkeit und maximalen Schutz für die hochsensiblen Messdaten.
Engineering gegen Naturgewalten
Ein Rechenzentrum auf dem Festland zu bauen ist Standard, aber ein Rechenzentrum für das Stampfen der Wellen, aggressive Seeluft und die sengende Sonne auf dem Atlantik zu rüsten, erfordert echtes Engineering-Herzblut. Wir mussten als Team völlig neu denken, was schon bei den Racks anfing. Wenn ein Schiff in den Wellen arbeitet, entstehen Vibrationen, die jede normale Server-Festplatte in kürzester Zeit zerstören würden. Deshalb haben wir zwei massive, komplett galvanisch getrennte Racks auf schweren Schwingelementen und Federn gelagert, die jede Erschütterung des Schiffes einfach wegpuffern. Die Architektur setzt auf eine kompromisslose Ausfallsicherheit durch strikte Trennung, denn jedes der beiden Racks bildet eine völlig autarke Einheit. Unten in jedem Rack sitzt eine eigene USV, die ausschließlich dieses System puffert. Fällt ein Rack oder eine Stromseite komplett aus, läuft die andere als Active/Active- oder Hot-Standby-Cluster nahtlos weiter. Verbunden sind die Racks untereinander über Glasfaser-leitungen, bei denen wir im gesamten Container konsequent auf eine OM3-Verkabelung gesetzt haben. Auf den ultrakurzen Distanzen innerhalb eines 10-Fuß-Containers wäre der Einsatz von OM4 reiner Overkill gewesen, da OM3 hier die perfekte und absolut verlässliche Performance für die geforderten Bandbreiten bietet. Viel entscheidender für die rauen Bedingungen auf See war ohnehin die mechanische Absicherung, weshalb jedes Kabel mit einer extra robusten Ummantelung und einer sauberen Zugentlastung verlegt wurde. Innerhalb der Racks greifen wir dagegen auf klassische, kupferbasierte Verbindungen zurück. Auch die physikalische Zugänglichkeit hat uns Schweißperlen auf die Stirn getrieben, denn in einem engen Container gibt es keinen Gang hinter den Racks. Wir mussten eine Aufbaustrategie entwickeln, bei der die Hardware in einer exakt definierten Reihenfolge montiert wird, weil der Zugang ausschließlich von der Vorderseite möglich ist. Jedes Kabel wurde von vornherein so strukturiert und verlegt, dass ein späterer Austausch von Komponenten im laufenden Betrieb auf stürmischer See blind und mit wenigen Handgriffen gelingen kann.
Sicherer Strom, fokussierte Kühlung und der direkte Draht ins All
Ein kritischer Punkt bei diesem Projekt war das Thema Elektrotechnik, denn Strom auf einem Schiff ist eine ganz eigene Wissenschaft. Um die empfindlichen IT-Komponenten vor den oft schwankenden Bordnetzen zu schützen, filtert ein eigener, massiver Transformator im Container den Strom sauber und übergibt ihn an die USV-Anlagen. Zusammen mit einer zentralen M12-Erdungsschraube, die das gesamte mobile Rechenzentrum mit dem Schiffskörper verbindet, schützt diese Konstruktion vor Spannungsspitzen und Kriechströmen. Das gilt auch für die massiven Zuleitungen, denn über spezielle Lochschablonen in der Tür werden die schweren Strom- und Kommunikations-kabel sicher ins Innere geführt, während Seeluft, Feuchtigkeit und Korrosion konsequent draußen bleiben. Ein weiteres Problem war die Hitze, da die Geräte früher extrem heiß wurden, sobald die Sonne ungehindert auf Backbord oder Steuerbord knallte. Da der Container ein reines Zweckgebäude und kein dauerhafter Arbeitsplatz ist, konnten wir die Kühlung radikal optimieren. Statt mit riesigem Energieaufwand den gesamten Innenraum herunterzukühlen, haben wir eine intelligente Einhausung der Racks realisiert. Die Kühlleistung des ehemaligen Frucht-Containers wird dadurch gezielt auf die aktiven Hardwarekomponenten geleitet, was massiv Energie an Bord spart und eine optimale Betriebstemperatur garantiert. Weil der Container während der Forschungsfahrten meistens verschlossen bleibt, übernimmt eine lückenlose Sensorik im gesamten Innenraum die Rolle des stummen Wächters. Die Sensoren überwachen permanent Parameter wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Rauchentwicklung und leiten diese Daten direkt über die interne Server-Infrastruktur und das Netzwerk weiter. An dieser Stelle schlägt die Brücke zu uns nach Hause, denn die gesamte Anbindung des Containers an die Außenwelt erfolgt über leistungsstarke Starlink-Antennen. Über diesen Satelliten-Uplink fließen die Telemetriedaten direkt in unsere weSystems-Monitoring-Systeme. Wir übernehmen von Land aus den kompletten, lückenlosen Betrieb und garantieren die zuverlässige Erreichbarkeit aller Hardware-Komponenten rund um die Uhr, egal ob der Container gerade im Hafen liegt oder mitten auf dem Atlantik kreuzt. Dank dieser robusten Rechenleistung direkt an Bord können die Forscher ihre Daten nun direkt auf dem Schiff vorverarbeiten und erste Resultate sofort an Land funken, wodurch die quälend lange Zeitspanne zwischen Datenerfassung und der ersten Analyse endlich Geschichte ist.
Teamspirit auf Augenhöhe und das Gefühl des Erfolgs
Was dieses Projekt aber über alle technischen Finessen hinaus zu etwas ganz Besonderem gemacht hat, war die menschliche Komponente. Es war eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die von der ersten Skizze bis zur letzten Schraube einfach nur Spaß gemacht hat. Ein echtes Highlight der Kooperation war die Aufteilung der Montage, bei der wir den mechanischen und infrastrukturellen Part übernommen haben. Den Einbau des hochsensiblen Equipments für die Messgerätesteuerung ließ sich das Ingenieursteam des Kunden aber nicht nehmen. Genau für diese Geräte haben wir in den Racks exakt berechnete Lücken gelassen. So standen wir am Ende gemeinsam im Container, haben geschwitzt, geflucht, gelacht und uns gegenseitig Werkzeug angereicht. Das ist genau der Teamspirit, der uns antreibt. Nach intensiven Wochen und einer Reihe von erfolgreichen Härtetests und Simulationen konnten wir das Projekt nun offiziell abschließen. Der Container ist perfekt konfiguriert, absolut seetauglich und steht als schlüsselfertiges System bereit für seine zukünftigen Missionen auf den Weltmeeren. Wir sind unendlich stolz auf diese gemeinsame Leistung mit unserem Kunden. Wenn demnächst im Hafen endgültig die Leinen gelöst werden, wissen wir, dass da draußen auf den Wellen ein echtes Stück weSystems-Engineering fährt.
Gute Fahrt, eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und erfolgreiche Forschung! Leinen los!
Ob auf stürmischer See oder im klassischen Serverraum an Land, am Ende stehen Unternehmen überall vor derselben Aufgabe: Die eigene IT-Infrastruktur muss absolut zuverlässig laufen, damit man sich voll und ganz auf das eigentliche Kerngeschäft konzentrieren kann.
Genau hier kommen wir ins Spiel. Egal, ob es um maßgeschneiderte Sonderbauten wie unser mobiles Rechenzentrum oder um den täglichen, lückenlosen Betrieb eurer Standard-Systeme geht, wir begleiten euch als Partner. Lasst uns einfach ins Gespräch kommen und gemeinsam schauen, wie wir eure IT-Landschaft stabil, zukunftssicher und flexibel aufstellen können. Genauso, wie es am besten zu eurem Unternehmen passt.


